Die Akupunktur

Die Akupunktur ist in Deutschland fast allen Menschen geläufig. Sie stammt ursprünglich aus China und wird dort seit mehr als 5000 Jahren praktiziert. Nach der Kulturrevolution von Mao Tse Tung feiert sie dort heute wieder fröhliche Urstände und wird bei sehr vielen Krankheiten eingesetzt. Bei Operationen bedient man sich ihrer, um den Gebrauch von Narkosemitteln einzuschränken und so den Gesundungsprozess zu beschleunigen. Auch können mit dieser schonenden Methode häufig noch Patienten operiert werden, die bei „traditioneller“ Narkose zu großen Risiken ausgesetzt wären. Darüber hinaus sind Arbeitskräfte, in diesem Falle die Ärzte, in China heute billiger als Medikamente aus den westlichen Labors. Da der zeitliche Ablauf einer Akupunktur-Narkose allerdings etwas aufwändiger ist hat sich diese Narkoseform bei uns nicht durchsetzen können.

Über die Wirkmechanismen der Akupunktur wurde und wird viel spekuliert, doch dies soll nicht Inhalt der Ausführungen an dieser Stelle sein. Nur soviel kann gesagt werden: Offensichtlich kommt es – um mit der Computersprache zu sprechen – im Gehirn zu sog. Umprogrammierungen, so dass der Körper nach mehreren Behandlungen andere Verhaltensweisen aufweist. Es ist, als habe man dem Patienten eine andere Software aufgespielt, denn es werden im behandelten Organismus z. B. erhöhte Mengen an Endorphinen (Botenstoffe für das Gehirn) ausgeschüttet.

Am eindeutigsten ist die Wirkung der Behandlung durch eine leichte Muskelerschlaffung und auftretende Müdigkeit festzustellen und kleine Kinde schlafen meist nach wenigen Minuten ein. Im Falle von Schmerzerkrankungen tritt je nach der angewandten Technik und der Länge der bestehenden Beschwerden eine Schmerzerleichterung oder gar Schmerzfreiheit schon während der Behandlung ein.

Doch auch Verschlechterungen können auftreten. Dies ist dann nicht unbedingt auf die mangelnde Qualifikation des Therapeuten zurückzuführen, sondern häufig ein Zeichen dafür, dass sich tiefer gelegene Krankheitsursachen durch die Akupunktur melden. Dem muss der Arzt ein besonderes Augenmerk schenken und erfordert vom Patienten Geduld, damit die Reaktion richtig interpretiert und die Behandlung dann erfolgreich zu Ende geführt werden kann.

Die letztliche Wirkung der Akupunktur zeigt sich in einer Veränderung der vegetativen und hormonalen Ausgangssituation des Patienten, wodurch sich viele chronische und chronischste Krankheitsbilder wieder normalisieren können. Gerade jene Krankheitsbilder, bei denen unsere moderne Medizin oft nur um den Preis massiver Nebenwirkungen „Erfolge“ verzeichnen kann, sprechen aufgrund des völlig anderen Ansatzpunktes der Akupunktur häufig noch recht gut an. Hier spielt eben eine jahrtausende alte Erfahrung mit hinein, die durch „moderne Wissenschaftsmodelle“ nicht zu ersetzen ist. Sie stimmt einfach – so wie es stimmt, dass es bei uns im Winter kalt ist und im Sommer warm. Warum und wieso ist letztlich egal, auch wenn diese Frage die Menschheit schon immer beschäftigt. Aber irgendwelche Interpretationen, wie lyrisch sie auch immer sein mögen, ändern nichts an den Gegebenheiten.

Es gibt verschiedene Formen der Akupunktur. Die gebräuchlichste ist die sog. Körperakupunktur, bei der an bestimmten Punkten des Körpers Nadeln eingestochen werden. Man kann diese speziellen Nadeln auch elektrisch reizen, um bestimmte Therapieeffekte zu erreichen, oder „moxen“, d. h. mit Wärme behandeln oder die Körperpunkte lediglich mit einem Laserlicht bestrahlen. Darüber hinaus existiert als Sonderform die Ohrakupunktur, die hauptsächlich in Frankreich weiter entwickelt wurde sowie die Mundakupunktur nach Gleditsch, bei der bestimmte Punkte im Mund medikamentös eingespritzt werden. Außerdem gibt es noch individuelle Sonderformen, die viele Ärzte im Laufe ihrer Tätigkeit entwickeln.

Erwähnenswert ist auch noch die Schädelakupunktur, die besonders bei Lähmungen und nach Schlaganfällen eingesetzt wird, aber auch sehr gut bei starken Schmerzen wirkt. Mit dieser Methode werden in einigen japanischen Kliniken mit großem Erfolg Schlaganfall-Patienten bereits kurz nach dem Anfall behandelt. Bei uns sieht man diese Patienten in der Praxis leider oft erst dann, wenn schon ein oder zwei konventionelle Rehabilitationskuren absolviert wurden. Dies ist ein Zeitpunkt, der in der Regel viel zu spät ist, um von einer Akupunktur-Behandlung noch allzu viel erwarten zu können.

In der Regel wird die Akupunktur-Behandlung bei chronischen Fällen seriell, also acht bis zwölf Mal hintereinander durchgeführt. Je nach Erkrankung wird diese dabei mit Wärme (Moxa), Schröpfen und Chirotherapie kombiniert. Bei akuten Beschwerden reichen jedoch oft schon ein bis zwei Behandlungen aus. Bei chronischen Krankheiten wird die Akupunktur je nach Lage oft mit medikamentösen Maßnahmen ergänzt, wie dies der Tradition entspricht. Hierbei wählen wir möglichst aus dem Schatz der bei uns vorhandenen Naturheilmittel.

Die Elektro-Akupunktur nach Voll

Die Elektro-Akupunktur nach Voll, kurz EAV, wurde in den 1950er Jahren von Dr. Reinhardt Voll entwickelt. Sie misst an den Akupunkturpunkten des Körpers das elektrische Verhalten mit einem speziell dafür entwickelten Gerät. Dr. Voll machte sich dabei eine in Japan entwickelte Diagnosemethode zunutze, bei der an den Anfangs- bzw. den Endpunkten der Meridiane an Händen und Füßen mit eine glühenden Stäbchen die Temperaturempfindlichkeit des Patienten gemessen wird. Hier wurden bei Krankheitszuständen häufig extreme Seitenunterschiede bei gleichen Punkten gemessen. Was die Japaner mit Hitze machten wird bei der EAV mit definierten Strombelastungen erzielt.

Die EAV ist sowohl eine diagnostische als auch eine therapeutische Methode. Mit ihren Messungen kann man Aussagen über sog. energetisches Störverhalten machen und erhält Hinweise auf gestörte Körper- und Organbereiche. Diese können dann gezielt abgeklärt werden, z. B. mit computergesteuerter Regulationstherapie, Kirlianfotografie, Röntgendiagnostik bzw. CT (Computertomografie), Kernspintomografie oder Ultraschall.

Dr. Voll entwickelte die EAV jedoch noch weiter: Er versuchte, mit Medikamenten, die er in den Messkreis brachte, die von den Standardwerten abweichenden Messwerte zu normalisieren. Damit entwickelte er eine heute weit verbreitete Methode, die mithilfe eines bestimmten Medikamententests – bei dem vornehmlich homöopathische Präparate zum Einsatz kommen – überaus erfolgreich ist.

Weshalb dieses Phänomen zustande kommt, ist bis heute nur in Ansätzen geklärt. Es dürften hier jedoch ähnliche Phänomene zum Tragen kommen wie bei der Pulstastung oder der Kinesiologie. Viele Forschungseinrichtungen bemühen sich bislang vergeblich um eine Aufklärung – denkbar sind z. B. die Phänomene der langsamen Hirnpotentiale, mit deren Hilfe Menschen Computer beeinflussen können. Andere Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von morphogenetischen Feldern.

Die verschiedenen Formen der Akupunktur werden u. a. eingesetzt bei:

  • Akne
  • Gürtelrose
  • Akute und chronische Schmerzen
  • Hüft- und Kniegelenkschmerzen
  • Allergien
  • Migräne
  • Asthma
  • Nachbehandlung nach Operationen
  • Atemwegserkrankungen
  • Neuropathien
  • Depressionen
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Durchfall
  • Reizdarm
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfungszustände
  • Stirn- und Nebenhöhlenvereiterungen
  • Fibromyalgie
  • Tinnitus/ Hörsturz o Verstopfung
  • Förderung der Wundheilung
  • Z. n. Schlaganfall

Nach oben

© 2015 - Dr. med. Hartmut Baltin - www.dr-baltin.de - Alle Rechte vorbehalten.


Nach oben