Die Hyperthermie (Fieber-Therapie)

Dass Erfahrungsmedizin und High-Tech-Verfahren durchaus miteinander verknüpft sein können, zeigt die Hyperthermie (Fiebertherapie). Bereits 2.400 v. Chr. setzten ägyptische Ärzte künstlich erzeugtes Fieber bei ihren Patienten ein. Von Parmenides (540 – 480 v. Ch.), einem griechischen Arzt und Philosophen, ist der Ausspruch festgehalten: „Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen und ich heile jede Krankheit“. Im Laufe der Jahrhunderte wurde aktiv erzeugtes Fieber bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt und der Arzt Julius Wagner von Jauregg erhielt im Jahr 1927 den Nobelpreis für Medizin für seine Hyperthermie-Forschungen. Doch wie bei vielen anderen Verfahren auch, verlor die Hyperthermie mit dem Siegeszug der Antibiotika für einige Jahrzehnte an Bedeutung.

Die Hyperthermie wird gerne in der Krebstherapie eingesetzt, aber sie kann auch als Therapie von Autoimmunerkrankungen wie z. B. Rheuma genutzt werden, um ein zu aggressives oder zu schwaches Immunsystem auszubalancieren. Hier bewirkt die Hyperthermie eine intensive Durchblutung, die Reinigung des Organismus und eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung sowie die nachhaltige Stabilisierung des Immunsystems.

Heute unterscheidet man grundlegend zwischen passiver und aktiver Hyperthermie, wobei es zahlreiche Varianten der Behandlungsformen gibt: Bei der passiven Hyperthermie wird der Patient über eine gewisse Zeit lokal mit gefilterter Infrarotstrahlung von außen erwärmt. Hierbei können sehr hohe Temperaturen erreicht werden oder es wird eine lokale Erwärmung des Tumorgebietes mit Kurzwellen durchgeführt. Bei der aktiven Hyperthermie erhält der Patient Bakterienlysate, die den Organismus von selbst für einige Zeit Fieber erzeugen lassen.

In beiden Verfahren aktiviert der Körper durch die erhöhte Temperatur starke Selbstheilungskräfte und steigert seine Immunabwehrsysteme. Durch das Fieber wird das Tumorgewebe verstärkt durchblutet, so dass z. B. Strahlen- oder Chemotherapeutika in dieser Phase niedriger dosiert und zielgenauer in das Tumorgewebe eingebracht werden können. Reparaturenzyme, die die Krebszellen normalerweise vor Strahlentherapeutika schützen, verlieren durch die Wärme ihre Funktion. Werden diese wichtigen Enzyme geschädigt, sterben die Tumorzellen bereits bei kleinen Dosen ab und auch bis dato resistente Krebszellen werden eliminiert. Die Wärme beeinträchtigt auch bestimmte Proteine, die Tumorzellen normalerweise dabei unterstützen, Zytostatika wieder auszuleiten. Sind diese Pump-Proteine inaktiv, sterben auch chemoresistente Krebszellen ab.

Bei uns wird die aktive Hyperthermie oder auch Fiebertherapie durchgeführt. Die Hyperthermie kann u. a. bei folgenden Krebsarten eingesetzt werden:

  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
  • Lungentumoren, vor allem Pleuramesotheliom
  • Blasenkrebs
  • Magen-, Dickdarm- und Enddarmkrebs
  • Eierstockkrebs
  • Mamma-Karzinom
  • Gebärmutterkrebs
  • Sarkome
  • Hirntumoren
  • Speiseröhrenkrebs
  • Knochenmetastasen
  • Tumoren im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich
  • Lebertumoren
 

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© 2015 - Dr. med. Hartmut Baltin - www.dr-baltin.de - Alle Rechte vorbehalten.


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